Stadtansicht von Mainz, der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz

Apothekensterben in Rheinland-Pfalz: Wie es dazu kam

Das Apothekensterben in Rheinland-Pfalz hat eine lange Vorgeschichte, und die Ursachen liegen nicht an einer einzelnen Stelle. Im ersten Beitrag haben wir gezeigt, wo der Rückgang am stärksten ist. Hier geht es um die Frage, wie es dazu kam: Welche Zahlen belegen den Weg, und was nennen Verbände und Fachpresse als Gründe?

Auf einen Blick

  • Vor rund zehn Jahren gab es im Land 1.084 Apotheken, Ende 2022 waren es 889, Ende 2025 laut ABDA 793.
  • 2023 schlossen 37 Apotheken dauerhaft, nur drei eröffneten neu.
  • Der Verband nennt das Honorar, Kosten, Lieferengpässe und fehlenden Nachwuchs als Hauptgründe.
  • Seit dem 1. Juli 2026 gilt ein Fixum von 9 Euro, eine Trendwende ist laut Fachpresse noch nicht in Sicht.

Wie hat sich die Zahl der Apotheken entwickelt?

Die Kurve zeigt über viele Jahre nach unten. Nach Angaben des Landesapothekerverbandes gab es etwa zehn Jahre vor 2022 noch 1.084 Apotheken in Rheinland-Pfalz. Ende 2021 waren es 916, Ende 2022 noch 889. Das war ein Rückgang von fast drei Prozent in einem Jahr, stärker als im Bundesdurchschnitt (APOTHEKE ADHOC, 2. Februar 2023).

Im Jahr 2023 beschleunigte sich der Trend. Landesapothekerkammer und Apothekerverband meldeten im Januar 2024: 37 Apotheken schlossen im Vorjahr dauerhaft, nur drei Neueröffnungen standen dem gegenüber. Aktuell sicherten 852 Apotheken die Versorgung. Über 15 Jahre ging die Zahl damit um rund 24 Prozent zurück. Unter den Flächenländern war Rheinland-Pfalz damit der negative Spitzenreiter, nur Bremen lag mit 25 Prozent knapp darüber.

Auch 2024 setzte sich das fort. Laut Pharmazeutischer Zeitung schlossen im ersten Halbjahr 2024 20 Apotheken, Neueröffnungen gab es keine, 832 Apotheken blieben übrig. Die ABDA nennt zum Jahresende 2025 nur noch 793 öffentliche Apotheken in Rheinland-Pfalz. Das Statistische Landesamt kommt für 2024 auf rund 850 inklusive 26 Krankenhausapotheken, weil es anders zählt. Gegenüber 2014 beträgt das Minus 22 Prozent (NR-Kurier, 5. April 2026). Die Quellen zählen nach verschiedenen Kriterien und Stichtagen, die Richtung ist aber überall dieselbe.

Warum geben so viele Apotheken auf?

Das Honorar

Aus Sicht des Apothekerverbandes steht das Honorar an erster Stelle. Verbandschef Jan-Niklas Francke erklärte im Juli 2024 gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung, das Fixum sei zuletzt 2013 um etwa 3 Prozent erhöht worden. In der Zwischenzeit sei die Inflation um fast 30 Prozent gestiegen, die Betriebskosten um etwa 60 Prozent. Auch die Landesapothekerkammer nannte im Januar 2024 Inflation, höhere Nebenkosten und Lieferengpässe als Gründe.

Lieferengpässe und Mehraufwand

Dazu kommt der Mehraufwand im Alltag. Der damalige Verbandsvorsitzende Andreas Hott sagte im Februar 2023, Lieferengpässe kosteten pro Fall zwischen 15 und 60 Minuten zusätzliche Arbeit. Das bindet Personal, das für die Beratung fehlt.

Nachwuchs und Nachfolge

Ein zweiter Strang ist das Personal. Laut Verband war über ein Drittel der Inhaberinnen und Inhaber 2023 älter als 60 Jahre, fast 9 Prozent sogar 70. Wer aufhört, findet nicht immer jemanden, der den Betrieb übernimmt. Im Pharmaziestudium in Rheinland-Pfalz gab es damals 78 Studierende, von denen nach Verbandsangaben nur noch drei in einer öffentlichen Apotheke arbeiten wollten. Früher sei es mindestens die Hälfte gewesen. Als Konkurrenz nannte der Verband attraktive Arbeitgeber in der Region wie Boehringer Ingelheim, die Universität oder BioNTech. Verbandsgeschäftsführer Peter Schreiber verwies 2026 auf diesen Konkurrenzdruck um pharmazeutisches Fachpersonal.

Wie sich das im Einzelfall anfühlt, zeigt ein Beispiel aus der Pfalz: Die Markt-Apotheke in Landstuhl schloss 2023. Nach Aussage der Inhaberin Sabrina Harmutter-Pier gingen Mitarbeitende in Rente, wechselten in die Schweiz oder machten sich selbstständig. Ersatz fand sich nicht, Vertretungen seien kaum zu bekommen und sehr teuer. Der Schritt sei „unausweichlich“ gewesen (APOTHEKE ADHOC, 18. Mai 2023).

Gibt es Gegenmaßnahmen?

Politisch hat sich einiges bewegt. Seit dem 1. Juli 2026 gilt ein Fixum von 9 Euro, zum Jahreswechsel soll es auf 9,50 Euro steigen. Ab 2028 soll das Honorar jährlich mit den Krankenkassen neu verhandelt werden. Gleichzeitig steigt der Kassenabschlag ab Januar von 1,77 auf 2,07 Euro. Die Pharmazeutische Zeitung schreibt am 9. Oktober 2026, bisher sei keine Trendwende zu erkennen. Für Rheinland-Pfalz lagen in dieser Auswertung noch keine Zahlen vor.

Was heißt das für dich?

Für deinen Alltag ist weniger die Statistik wichtig als der konkrete Weg zur nächsten Apotheke. In Mainz und anderen größeren Städten gibt es weiterhin viele Standorte. Auf dem Land lohnt es sich, die Stammapotheke frühzeitig zu informieren, wenn du regelmäßig Medikamente brauchst. Alle Standorte im Land findest du in der Apothekensuche für Rheinland-Pfalz.

Quellen und weiterführende Links