Blick auf die Innenstadt von Kaiserslautern in der Pfalz

Apotheken in Rheinland-Pfalz: Wo es am stärksten abnimmt

Apotheken in Rheinland-Pfalz werden seltener, aber nicht überall gleich schnell. Die jüngste Auswertung des Statistischen Landesamtes zeigt, dass manche Städte und Kreise deutlich stärker betroffen sind als andere. In diesem Beitrag erfährst du, wo die Lücken am größten sind und was das für die Versorgung in deiner Nähe heißt.

Auf einen Blick

  • 2024 gab es in Rheinland-Pfalz rund 850 Apotheken, darunter 26 Krankenhausapotheken. Das sind 30 weniger als im Jahr davor (minus 3,4 Prozent).
  • Seit 2014 ist mehr als jede fünfte Apotheke verschwunden (minus 22 Prozent).
  • Pirmasens verlor in zehn Jahren 47 Prozent seiner Apotheken, im Rhein-Lahn-Kreis fehlt mehr als ein Drittel.
  • Ende 2025 zählte die ABDA 793 öffentliche Apotheken im Land, Ende März 2026 waren es 789.

Was berichtet die regionale Presse?

Der NR-Kurier, das Regionalportal aus dem Kreis Neuwied, veröffentlichte am 5. April 2026 eine dpa-Meldung mit den neuesten Zahlen des Statistischen Landesamtes. Danach gab es 2024 im Land rund 850 Apotheken, 26 davon waren Krankenhausapotheken. Gegenüber dem Vorjahr sind das 30 Standorte weniger. Über zehn Jahre gerechnet beträgt das Minus 22 Prozent.

Die Folge ist rechnerisch gut zu fassen: 2024 versorgte eine Apotheke im Schnitt rund 4.900 Menschen. Zehn Jahre zuvor waren es noch etwa 3.700. Für dich heißt das vor allem, dass sich der Weg zur nächsten Apotheke verlängern kann und dass in den verbliebenen Apotheken mehr Menschen auf eine Beratung warten.

Wo ist der Rückgang am stärksten?

Spannend wird es bei den regionalen Unterschieden. Die kreisfreien Städte verloren seit 2014 insgesamt 25 Prozent ihrer Apotheken, die Landkreise 21 Prozent. Das Bild vom reinen Landapotheken-Problem greift also zu kurz: Gerade in den Städten sind die Zahlen deutlich gefallen.

Das extremste Beispiel ist Pirmasens. Dort ging die Zahl der Apotheken in zehn Jahren um 47 Prozent zurück, sie hat sich also fast halbiert. Auch im Rhein-Lahn-Kreis fehlt inzwischen mehr als ein Drittel der früheren Apotheken. Ganz anders sieht es in Bad Dürkheim aus, dort hat sich kaum etwas verändert. Die Zahlen belegen, dass die Lage von Ort zu Ort verschieden ist und sich nicht mit einem Landesdurchschnitt beschreiben lässt.

Wie schätzen Verband, Kassen und Land die Lage ein?

Jan-Niklas Francke, Vorsitzender des Apothekerverbandes Rheinland-Pfalz, nennt die Zahl der Schließungen „weiterhin kritisch“. Als Ursache sieht er, dass das Honorar kaum angepasst wurde: Das feste Packungshonorar sei in den vergangenen 22 Jahren nur einmal angehoben worden, 2013 um 3,1 Prozent. Gleichzeitig stiegen Personal-, Energie- und Mietkosten. Verbandsgeschäftsführer Peter Schreiber ergänzt, dass der Trend bundesweit zu beobachten sei, Rheinland-Pfalz aber über dem Durchschnitt liege. Zudem konkurrierten die Apotheken mit der pharmazeutischen Industrie um Fachpersonal.

Martin Schneider vom Verband der Ersatzkassen (vdek) verweist darauf, dass Apotheken seit 2013 zusätzliche Vergütungen erhalten, zum Beispiel für Rezepturen, Botendienste und Zuschläge bei Lieferengpässen. Auch pharmazeutische Dienstleistungen und das Impfen seien neue Erlösquellen.

Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) erklärte, das Land nehme die Entwicklung ernst. Die Vergütung werde auf Bundesebene geregelt, deshalb setze sich die Landesregierung in Berlin für eine wirtschaftliche Absicherung der Apotheken ein. Die Arzneimittelversorgung in Rheinland-Pfalz sei gewährleistet. Petra Engel-Djabarian vom Apothekerverband hält dagegen: Mit jeder geschlossenen Apotheke werde der Weg länger und die Versorgung schwieriger.

Wie geht es 2026 weiter?

Die Zählweisen unterscheiden sich je nach Quelle. Das Statistische Landesamt nennt für 2024 rund 850 Apotheken inklusive Krankenhausapotheken. Die ABDA zählt öffentliche Apotheken und kommt zum Jahresende 2025 auf 793, davon 611 Haupt- bzw. Einzelapotheken und 182 Filialen. Mit 19 Apotheken je 100.000 Einwohner liegt Rheinland-Pfalz knapp unter dem Bundesschnitt von 20.

Die Entwicklung setzt sich fort. Laut Pharmazeutischer Zeitung gab es im ersten Quartal 2026 sechs Schließungen und zwei Neueröffnungen, am 31. März 2026 blieben 789 Apotheken übrig. APOTHEKE ADHOC beziffert das Minus seit Jahresbeginn auf vier.

Was kannst du tun?

Wer eine Apotheke in der Nähe sucht, findet sie am schnellsten über unsere Apothekensuche für Rheinland-Pfalz. Dort siehst du Standorte auf der Karte, auch in Städten wie Kaiserslautern. Wenn du chronisch krank bist oder Angehörige versorgst, lohnt es sich, die Stammapotheke zu pflegen und Wege rechtzeitig zu planen. Eine bundesweite Übersicht bietet das ApoGuru-Verzeichnis.

Im nächsten Beitrag schauen wir uns an, wie es zu dieser Entwicklung kam: Wann hat der Rückgang begonnen, und welche Ursachen nennen die Beteiligten?

Quellen und weiterführende Links